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When in Texas, shoot like a Texan…

Man soll sich ja auch mal selbst überraschen, heisst es, oder? Ich mache mir nichts aus Waffen, ich sehe die Waffenkultur in den USTargetA äusserst kritisch, und ich war noch nicht mal bei der Bundeswehr.  Kurz: Waffen und ich, dass passte noch nie zusammen. Aber nun war ich in Texas….

Dort ist Schießen eine Selbstverständlichkeit: Nicht nur, dass Texas ein “Open Carry”-Staat ist, in dem man also seine Waffen im Holster durch die Straßen tragen darf; es gibt auch an jeder Ecke Gun Shops und Gun Ranges. Und genau in so eine Gun Range bin ich gegangen, mit dem Ziel, “richtig” (also nicht nur Luftgewehr oder so) zu schießen.

Das ist in Texas tatsächlich ziemlich einfach: Man sucht sich eine Gun Range (das hier ist meine gewesen), also einen Schießstand,  der auch Waffen verleiht, fährt hin und sagt: “Guten Tag, ich bin aus Deutschland, und ich würde gerne mal schießen.” (Der letzte Teil ist nicht wirklich notwendig, aber man ist ja höflich).

DSC_0501Zunächst entscheidet man sich für die Waffen, mit denen man schießen möchte. In meinem Fall war das eine Pistole (Glock 17). Als Neuling bekommt man eine freundliche, aber doch recht oberflächliche Einweisung, und dann hat man eine ziemlich schwere, absolut tödliche Pistole in der Hand und 25 Schuß Monition. Damit geht man in den eigentlichen Schießstand.

Dort ist man keineswegs allein: Männer, Frauen, Kinder jeder Herkunft, jeden Alters sind da und schießen fröhlich vor sich hin. Man kann gemeinsam an einem Stand schießen, oder man nimmt eine “Lane” für sich allein. Das habe ich gemacht.

Nun lädt man die Pistole (was mit etwas Übung recht einfach ist), erinnert sich kurz an die Einweisung – und schießt. Ich habe von meinen 25 Kugeln gerade einmal vier verschossen, dann hatte ich genug. Der Rückprall ist schon sehr stark, die (heißen) Patronenhülsen fliegen einem um die Ohren, und es ist (trotz Ohrschutz) invernalisch laut. Meine Hände zitterten ziemlich – vielleicht wegen des Gewichts und des Rückpralls, eher aber, weil mir das Gefühl, diese Waffe in der Hand zu halten, tatsächlich ziemlich unangenehm war. Kein gefühl von Allmacht, kein Gefühl von Sicherheit oder Schutz – eher von „oh Gtt, sowas will ich nicht in der Hand halten“. Also, Pistole wieder abgegeben.

DSC_0499Aber ich wollte ja eine Erfahrung machen, und deshalb folgte Waffe No. 2:  Zurück zum freundlichen Waffenhändler meines Vertrauens, und das AR 15– Gewehr geholt. Das Laden geht noch einfacher als bei der Pistole, und in null komma nix hat man 20 Schuß im Magazin. Auch hier hat man eine Bahn für sich allein, und kann fröhlich drauflos ballern (nur nicht im Schnellfeuermodus). Freihändig, mit Auflage, im Sitzen, wie man es möchte. Das Gewehr ist deutlich „angenehmer“ zu benutzen (komisches Wort in diesem Zusammenhang), es hat deutlich weniger Rückstoß, und man kann besser zielen. „Spaß“ hat mir auch das Gewehr nicht gemacht – es war lediglich technisch einfacher zu bedienen als die Pistole.

Eine seltsame Erfahrung war das Schießen auf jeden Fall: Nicht einen Moment konnte ich vergessen, dass ich Maschinen in der Hand halte, deren einzige Funktion das Verletzen oder Töten von Mensch ist. Ich kann Schießen als Sport verstehen, aber warum man den Wunsch haben kann, solche Geräte zu Hause zu haben, wird mir stets schleierhaft sein. Ich bin froh, in einem Land zu leben, das strenge Waffengesetze hat und den Zugang zu diesen äusserts streng reguliert. Das Polizisten und Soldatinnen diese Geräte brauchen, kann ich nachvollziehen – in die Hände von Bürgern gehören sie nicht.

Um eine ErfahDSC_0496rung (und um zwei Zielscheiben) reicher verlasse ich nach ca. einer Stunde die Gun Range und fahre zurück nach Austin. Abends dann die nächste texanische Erfahrung, BBQ.

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