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Was die SPD heute von Hans Koschnick lernen könnte

Hans Koschnick ist gestorben. Er war nicht nur maßgeblich am Friedensprozess in Mostar beteiligt; er war auch von 1967 bis 1985 Bürgermeister meiner Heimatstadt Bremen. Und er war ein ganz maßgeblicher Einfluß für mich, um in die SPD einzutreten und auch in schwierigen Zeiten Mitglied zu bleiben.

Hans Koschnick, Senatspressestelle Bremen, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3066444

Hans Koschnick,
Senatspressestelle Bremen CC BY-SA 2.0 de

Von Hans Koschnick können wir als SPD heute eine Menge lernen. Am wichtigsten: Habe eine Position und vertrete diese, auch wenn es schwer ist. Denn so hat Koschnick die absolute Mehrheit 1983 errungen, als alle meinten , dass das unmöglich sei.

1983, das war das Jahr der schweren Werftenkrise, tausende von Arbeitern verloren ihre Arbeitsplätze. Städte wie Bremen mit der „AG Weser“ (umgangssprachlich auch „use akschen“ genannt) litten besonders darunter, ganze Stadtteile wurden von heute auf morgen arbeitslos. Bremen sollte jahrzehnte brauchen, um sich von dieser Krise zu erholen.

Damals stellte die SPD mit Hans Koschnick den Bürgermeister, und damit standen wir eben auch in der politischen Verantwortung. Es gibt eine legändere Betriebsversammlung der AG Weser, nachdem die Arbeiter erfahren hatten, dass sie ihre Arbeitsplätze verlieren werden. Das brisante: Diese Versammlung fand wenige Tage vor der Bürgerschaftswahl statt. Hans Koschnick trat nicht nur auf dieser Versammlung auf, er machte auch keine falschen Versprechungen oder weckte Hoffnungen. Er stand dazu, dass passieren würde, was passieren würde. Er versprach, den Menschen zu helfen, aber er machte auch deutlich, dass es keine einfache Lösung gäbe. Und, besonders beeindruckend: Er sprach tatsächlich so, dass die Menschen ihn verstanden und ihm glaubten.

Ich weiß noch, wie mich diese Haltung damals (ich war 14 Jahre alt) ungemein beeindruckt hat. Das war damals meine SPD, und das kann sie heute auch wieder sein.

Die SPD holte bei dieser Wahl 51,3%, so viel wie nie wieder danach.

So geht Politik.