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Schwarzfahrt nach Plötzensee

Es sind diese kleinen Meldungen, die kaum jemand beachtet. Wie heute, im Tagesspiegel. Da heisst es:
Schwarzfahren
Klar, denkt man sich da doch, Schwarzfahren ist Scheisse, ich zahle ja auch für mein Ticket, und wenn es teurer wird, dann wird das auch mehr Menschen abschrecken, auf Kosten der Allgemeinheit ohne Ticket zu fahren.

Das Problem ist nur: In der Konsequenz wird das sehr, sehr teuer für uns alle.

Der Grund ist ebenso einfach wie erschreckend: Von den rund 450 Häftlingen, die in der JVA Plötzensee einsitzen, sind rund 1/3 dort wegen Schwarzfahrens.

Genau – Menschen, die schwarzfahren, erwischt werden und das erhöhte Beförderungsendgeld nicht bezahlen können oder wollen, die landen früher oder später im Knast. Und auch nicht für ein paar Tage oder so, sondern für Monate. Die taz berichtet von einem normalen Fall: Ein junger Mann wird mehrfach ohne Ticket erwischt, am Ende schuldet er dem Land und der BVG inkl. Gerichtskosten 3.084 €. Er kann (oder will) nicht zahlen – und landet in der JVA Plötzensee.

Für 147 Tage.

Nicht nur, dass jeder dieser Tage das Land Berlin rund 88 Euro kostet (macht also, für eine Strafe in Höhe von 3.084 € Kosten in Höhe von 12.936 €); einen Menschen für fast ein halbes Jahr aus seinen sozialen Beziehungen zu reissen, ist ebenfalls nicht folgenlos: Geringe Integration in seinen Freundeskreis, keine Wohnung mehr (wovon sollte der Mensch seine Wohnung bezahlen, Hartz IV gibt es bekanntlich nicht für Häftlingen). Und so weiter, und so fort.

Erhöhen sich die Kosten für das Schwarzfahren jetzt von 40 € auf 60 €, so werden die Schulden der Täter höher, die Gerichtskosten steigen – und damit die Anzahl der Tage an Ersatzfreiheitsstrafe (a 88 € / Tag für den Steuerzahler).

Ich stelle jetzt keine Forderung auf, wie etwa kostenloser Personennahmverkehr für alle, da ich mich mit dem Thema nicht ausreichend beschäftigt habe. Aber so, wie es jetzt ist, ist es Quatsch.

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