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Der Prophet Mohammed und Schrödingers Katze

Titelbild der Charlie Hebdo (c) dort

Woher wissen wir eigentlich, dass das der Prophet Mohammed ist, der da auf dem Titelbild der neuen Ausgabe von Charlie Hebdo weint? Bei Darstellungen von Jesus gibt es eine über Jahrhunderte eingeübte Ikonographie: Ein Heiligenschein, ein Bart, ein gütiger Blick, ein Kreuz im Hintergrund, ein Reichsapfel, die segnende rechte Hand….Ich vermute, dass fast jeder Mensch, der in einem eher christlich-abendländisch geprägten Land aufgewachsen ist, auch eine sehr stilisierte Darstellung von Jesus als solche erkennen würde.

Jesus Ikonographie 2.0Aber ist das bei Mohammed auch so? Anders als im Christentum gibt es bekanntlich im Islam eine deutliche Zurückhaltung, was die bildliche Darstellung des Propheten angeht. Daher kann es auch keine entsprechende Ikonographie geben – dass das Mohammed ist auf dem Titelbild, wird ein beliebiger Mensch auf der Straße von, sagen wir, Indonesien, nicht ohne weiteren Kontext erkennen können. Weder der Bart, noch der Turban weisen den traurigen älteren Herrn als Mohammed aus – beziehungsweise haben dies bisher nicht getan. Ist es also wirklich Mohammed, den wir da sehen? Oder wird es erst Mohammed durch den Kontext, in dem das Bild steht und von uns gestellt wird – dann aber mit allen Konsequenzen, die das hat? Es wird spannend sein zu beobachten, ob da eine universelle Ikonographie für die Darstellung Mohammeds entsteht.