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Der Papst vertritt keine Minderheitenmeinung – leider

Gerade geht durchs Netz die Empörung über die Äusserungen von Papst Franziskus, der sich positiv zu einem Vater äusserte, den er wie folgt zitiert: „Manchmal muss ich meine Kinder ein bisschen schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu erniedrigen.“ (Einige sehen die Äusserungen freilich differenzierter.)

Die Empörung ist völlig berechtigt; Kinder zu schlagen, geht nicht. Darüber brauchen wir uns nicht groß mehr zu verständigen, das ist die Norm.

Ist das so?

Vor einigen Jahren gab es einen verstörenden Beitrag über einen Nachbarn von uns, Tschechien. Dort ist das Schlagen von Kindern (wohlgemerkt: nicht ein Puffen oder ein Knuffen, sondern Schläge mit dem Rohrstock auf den Po) scheinbar völlig normal; auch Frankreich kennt kein Verbot der körperlichen Misshandlung von Kindern; in den USA gibt es zahlreiche Bundesstaaten, in denen Kindern auch noch in der Schule regelmässig geschlagen werden. Weltweit dürfte es noch etliche Beispiele geben.

Der Papst vertritt also keineswegs eine Minderheitenmeinung; es gibt immer noch viele Länder, die es ganz genau so sehen wie Papst Franziskus. Das macht seine Äusserungen nicht besser; aber es macht deutlich, dass sich der Papst hier mit etwas beschäftigt, was für viele Menschen (Kinder und Erwachsene) eine Lebensrealität ist. Ich finde seine Position nicht akzeptabel – wir sollten aber nicht so tun, als ob hier ein realitätsferner Kirchenführer eine völlig randständige Meinung vertrete. Das Problem ist nicht Franziskus – das Problem ist, dass er eben keineswegs allein steht mit seiner Meinung. Übrigens auch nicht in Deutschland.