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Als ich das Taxi uber hatte

Taxi photo

Photo by kennymatic

Ich war für einige Tage in San Francisco (dazu später mehr), und musste ziemlich viel hin- und herfahren, da ich eine ganze Reihe Termine hatte. Zwischen Presidio und Redwood City, und eine Menge innerhalb von San Francisco selbst. Seit längerem nutze ich dafür Uber – bis auf einmal. Hätte ich lieber sein lassen sollen, das mit dem Taxifahren.

Eines der Argumente derjenigen, die Uber (und den Hauptkonkurrenten Lyft) verteidigen, lautet: Konkurrenz belebt das Geschäft. Die Taxigesellschaften sind durch ihr Monopol und die regulierten Preise faul, schlecht und kundenunfreundlich geworden. Durch Uber und Co. werden sie genötigt, Service, Sauberkeit und ihre Dienstleistung im Generellen auf den Prüfstand zu stellen. Heraus kommen dann besserer Service zu günstigeren Preisen.

Wenn dies so wäre, dann müssten Taxis in San Francisco doch eigentlich ein Traum sein, sollte man meine. Denn dort fiel die Zahl der Taxifahrten um 65% seit dem Markteintritt von Uber im Jahr 2012. Nun, drei Jahre später, sollten die Taxis sich doch eigentlich erholt haben, ihr Geschäftsmodell angepasst und den Service verbessert haben.

Vorgestern wollte ich ins Presidio, vom Union Square nur ein paar Meilen. Der nächste Uber war 10 Minuten entfernt, das Taxi stand direkt vor mir. Also, ich ins Taxi. Erst nach mehrfachen buchstabieren der Adresse (der zentralen Straße im Presidio, keine Seitengasse, und dem Aufschreiben selbiger verstand mich der Fahrer. Er tippte das dann bei Google Maps ein und folgte den Anweisungen. Ich weiß nicht, ob sich der Fahrer auf Englisch mit mir hätte unterhalten können – rauszukriegen war es nicht, da er die ganze Zeit laut mit jemanden in einer asiatischen Sprache telefonierte. Dafür hatte ich durch die blinkende Werbung auf dem Monitor direkt vor meinem Sitz genügend Unterhaltung für die Fahrt. Wahlweise hätte ich auch die ganzen Aufkleber, Regularien, Verbotsschilder etc. studieren können, mit denen das Taxi vollgeklebt war.

Wahrscheinlich nur, um immer wieder auf sich aufmerksam zu machen, lies der Fahrer an jeder Ampel immer wieder kurz die Bremse los, rollte ein paar Zentimeter – und bremste wieder (etwas, was auch Berliner Taxifahrer zusehends machen). Und das mehrfach pro Ampel.

Endlich angekommen betrug der Preis 18 Dollar, und ich musste schnell noch im Netz nachgucken, wie die Regeln für Trinkgeld bei Taxifahrern in den USA sind. Dann alles ausgerechnet, dem Fahrer aufgeschrieben (er verstand mich nicht), und dann per Kreditkarte bezahlt.

Und Uber? Du stellst Abhol- und Zielort in der App ein, steigst ein, redest mit dem Fahrer, wenn Du möchtest, oder liest, wenn Dir das lieber ist. Die Autos sind extrem sauber, die Fahrer sehr freundlich, gezahlt wird (inkl. Tipp) ohne irgendwelche Interaktion mit der App. Und die Fahrten sind deutlich günstiger als beim Taxi. Alle Uber Fahrer, mit denen ich sprach, waren sehr zufrieden mit dem Job, mit der Bezahlung, mit der Flexibilität, mit der ganzen Art der Interaktion zwischen Gast und Fahrer.

Also, Uber macht nicht die Taxis besser. Uber ersetzt diese. Und das ist gut für mich als Kunden. Ihr hattet Eure Chance, Taxis, aber wenn selbst die Taxis in San Francisco das nicht hinkriegen, dann hat Berlin keine Chance. Ihr werdet Eure Pfründe noch etwas per Gericht und Lobbyarbeit bewahren können, aber nicht für ewig. Und dann bin ich weg, bei Uber und Lyft.

(Noch ein Nachtrag: Ja, Uber ist natürlich ziemlich evil, das Gebaren des Unternehmens und seines Gründers sind zu Recht heftig kritisiert worden. Ich hätte dieses mal gerne Lyft genutzt, mit meinem amerikanischen Handy kann ich da aber keine deutsche Kreditkarte hinterlegen.)

2 Kommentare

  1. Lieber Pavel. Das Taximonopol ist sicher nicht zeitgemäß! Aber kann man wirklich aus *einer* – offensichtlich extrem schlecht gelaufenen – Taxifahrt gleich mal schnell auf alle Taxifahrer schließen? Und bei deinem Loblied auf die „Uber-Technologie“ [„Du stellst Abhol- und Zielort in der App ein … gezahlt wird … mit der App.“] vergisst du, dass das – jedenfalls bei deutschen – Taxi(!)-Apps auch längst üblich ist.
    Schade auch, dass die massive – und m.E. berechtigte – Kritik an Uber bei dir nur in einem Halbsatz des Nachtrags gestreift wird (immerhin mit Link in die englische Wikipedia.)
    Offensichtlich hälst du nichts von der Konkurrenz von Uber und Taxi. [„Uber ersetzt diese.“] Also statt Taxi-Monopol dann Uber-Monopol – nachdem Lyft & Co mit mafiösen Methoden beseitigt wurden? Ich wünsche dir jedenfalls, dass du nicht irgendwann mit einem unterversicherten Uber-Hobby-Fahrer im neoliberalen Straßengraben landest.

    • Naja, ich leite nichts aus einer Fahrt ab, ich nutze diese eine Fahrt als Illustration für einen größeren Punkt (sorry, falls das nicht so rübergekommen ist). Was mich völlig ratlos hinterlässt ist die Tatsache, dass auch im Jahr 2015 eine Branche, die durch neue Technologie massiv bedroht wird, scheinbar nichts anderes einfällt als weiterzumachen wie bisher, und zu klagen. Wo bleibt die große Service-Offensive des deutschen Taxigewerbes? Wo der freundliche Fahrer, der, wenn ich eine Flughafenfahrt buche, per SMS nachfragt, ob er raufkommen soll und die Koffer tragen? Wo das Angebot einer Stadtrundfahrt mit Festpreis? Wo die Frage des Taxifahrers, ob ich ein Wasser möchte? Etc. , etc., pp. Nein, man wartet offensichtlich lieber, bis die eigenen Lobbyverbände nicht mehr genug Geld haben – und geht dann pleite.

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